Herpetologische und andere Naturbeobachtungen bei Side und Manavgat

Seite 5 / 9

"Wozu den in die Ferne schweifen ..." getreu diesem alten Sprichwort verbrachten wir sehr viel Zeit direkt an der Küste zwischen Side und Gündoğdu. Dieser etwa 15 km lange Küstenabschnitt ist von unzähligen Hotelanlagen und touristischen Einrichtungen geprägt (siehe Banner oben).

Abb. 55: Satellitenbild (Quelle: Google Maps, Juni 2008)

Wir waren sehr überrascht, dass wir gerade hier sehr viele Amphibien und Reptilien antreffen konnten. Die in diesem Bereich sehr zahlreichen Wasserläufe und -kanäle, sowie einige Brachflächen zwischen den Hotels sind wohl der Grund dafür. Bei unseren Spatziergängen mit der Kamera konnten wir auch immer wieder erleben, wie erstaunt viele Badetouristen auf unser "Fotoshooting" reagiert haben und wir hatten den Eindruck, dass sie erst durch uns hier das erste Mal eine Eidechse, Agame oder eine Wasserschildkröte gesehen haben.

Abb. 56: Strandabschnitt westlich von Gündoğdu (April 2008)

Gleich zu Beginn einer Wanderung, die wir während unseres Aufenthaltes im April 2008 westlich von Gündoğdu aus starteten, hatten wir großes Glück und konnten am frühen Vormittag eine Wechselkröte (Bufo variabilis) entdecken (Abb. 57). Normalerweise sind Wechselkröten vorwiegend nachtaktiv und hätte das Tier nicht versucht, vor uns davon zu hüpfen, wäre es unbemerkt geblieben.

Wechselkröten sind sehr gut an Trockenheit (siehe Fundort Abb. 58) sowie Wärme und Kälte angepasst. Sie bevorzugen offene, sonnenexponierte Habitate mit grabfähigen Böden und sind mitunter sehr weit von offenen Gewässern entfernt anzutreffen (Quelle: Wikipedia).

Abb. 57: Wechselkröte, Bufo variabilis (April 2008)

Abb. 58: (April 2008)

An dieser Stelle möchen wir noch erwähnen, dass wir einen Tag zuvor hunderte frisch metamorphierte und nur wenige Zentimeter große Jungkröten (Abb. 59) bei Oymapinar am Manavgat-Stausee gesehen hatten.

Abb. 59: Wechselkröte, Bufo variabilis Jungtier (April 2008)

Bei unseren Fotoexkursionen entlang der Küste inspizierten wir vor allem die Wasserkanäle und Bäche, ab ihrer Mündung bis einige hundert Meter landeinwärts (Abb. 60 und 61). Diese Wasseradern bilden hervorragende Lebensräume für allerlei Amphibien und Reptilien.

Abb. 60: (April 2008)

Abb. 61: (April 2008)

Stets sehr zahlreich und kaum zu überhören, bevölkerten Frösche selbst die kleineren Wasserkanäle. Es handelt sich hierbei um den Seefrosch (Pelophylax ridibundus). Die Art ist in der Gegend weit verbreitet und war an fast allen Tümpeln und Wasserlöchern der gesamten Region anzutreffen. Fasziniert hatte uns die große Vielfalt, mit der diese Amphibien in Erscheinung getreten sind. So fanden wir diese Tiere braun oder grün gefärbt, mit oder ohne Fleckenmuster bzw. Streifen auf dem Rücken. Die nachfolgenden vier Abbildungen geben nur annähernd einen Eindruck davon wieder.

Abb. 62: Seefrosch, Pelophylax ridibundus (April 2008)

Abb. 63: Seefrosch, Pelophylax ridibundus (Oktober 2007)

Abb. 64: Seefrosch, Pelophylax ridibundus (April 2008)

Abb. 65: Seefrosch, Pelophylax ridibundus (Oktober 2007)

Die vielen Frösche sind natürlich auch wiederum die Nahrungsgrundlage für andere Tiere. Mit etwas Glück gelangen uns die beiden folgenden Aufnahmen. Es handelt sich hierbei um Streifen-Ringelnattern (Natrix natrix persa), die wir beim fotografieren der Frösche aufgeschreckt hatten. Die beiden Schlangen flüchteten blitzschnell zur anderen Seite des Baches und verschwanden in der Üferböschung (siehe auch Seite 8).

Abb. 66: Streifen-Ringelnatter (Natrix natrix persa)

Abb. 67: Streifen-Ringelnatter (Natrix natrix persa)

Sehr häufig war auch die Westkaspische Bachschildkröte (Mauremys rivulata) an den Wasserläufen in der gesamten Region zu finden. Mauremys rivulata wurde früher als Unterart der Kaspischen Bachschildkröte (Mauremys caspica) betrachtet und war unter dem Namen Mauremys caspica rivulata bekannt. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Südosteuropa und Griechenland bis in die Türkei. Außerdem ist die Art auch auf den Inseln Zypern und Kreta zu finden.
Die folgenden Aufnahmen entstanden zwischen Kumköy und Gündoğdu (Abb. 68 - 72) und am Titreyen-Göl östlich von Side (Abb. 73).

Abb. 68: Westkaspische Bachschildkröte, Mauremys rivulata (April 2008)

Abb. 69: Westkaspische Bachschildkröte, Mauremys rivulata (Jungtier, April 2008)

Abb. 70: Westkaspische Bachschildkröte, Mauremys rivulata (Jungtier, April 2008)

An günstigen Stellen waren diese Schildkröten sehr zahlreich anzutreffen. Je nach Standort waren sie überaus scheu oder schenkten unserer Anwesenheit kaum Beachtung. Die Bilder 71 und 72 entstanden von einer kleinen Brücke aus. Nach kurzer Zeit kamen immer mehr Schildkröten heran und wir hatten den Eindruck, dass sie auf Futter warteten.

Abb. 71: Westkaspische Bachschildkröte, Mauremys rivulata (April 2008)

Abb. 72: Westkaspische Bachschildkröte, Mauremys rivulata (April 2008)

Abb. 73: Westkaspische Bachschildkröte, Mauremys rivulata (Oktober 2007)

Mit etwas Glück bekommt man auch die seltenen Nil-Weichschildkröten (Trionyx triunguis) zu sehen. Diese Art ist in der Türkei entlang der Südküste von Hatay im Osten bis zum Dalaman Delta im Westen verbreitet und lebt überwiegend in Brackwassergebieten und Mündungsbereichen von Flüssen. Mit einer Panzerlänge von bis zu 90 cm und einem Gewicht bis 100 kg gehört die Nil-Weichschildkröte zu den größten Vertretern der insgesamt vierzehn Weichschildkröten-Arten.
Link-Tipp: Aktionsgemeinschaft Artenschutz eV (PDF)

Die nachfolgenden beiden Aufnahmen entstanden an einem Fluss, etwa 5 km nordwestlich von Side. Auf dem ersten Bild ist sehr schön der Größenunterschied zu den wesentlich kleineren Bachschildkröten zu erkennen.

Nil-Weichschildkröte, Trionyx triunguis
Foto: Dirk Tannert

Nil-Weichschildkröte, Trionyx triunguis
Foto: Dirk Tannert

Wir möchten auch noch erwähnen, dass der Küstenabschnitt bei Side von der Unechten Karettschildkröte (Caretta caretta) als Eiablagegebiet genutzt wird. Diesen Umstand haben sich diverse Bootsbesitzer zunutze gemacht, indem sie "Schildkrötenfahrten" in die entsprechenden Gebiete anbieten. Der Hauptbereich liegt im Strandabschnitt direkt an der Westseite der "Side-Halbinsel".
Link-Tipp: Green Power as / Aktionsgemeinschaft Artenschutz eV

Abb. 74: Unechte Karettschildkröte, Caretta caretta
Foto: Sigurd Strøm Nørsterud

Abb. 75: Unechte Karettschildkröte, Caretta caretta
Foto: Elin Hjelle

Einige Male konnten wir auch den Streifenskink (Trachylepis vittata) fotografieren. Wir fanden die Skinke meistens ab den späten Nachmittagsstunden, wobei sie die mittlerweile angenehmen Temperaturen in der Sonne offensichtlich genossen haben. Beeindruckt hatten uns auch die Kletterkünste dieser überwiegend bodenbewohnenden Tiere. Wie auf Abbildung 74 zu sehen ist, sind auch senkrechte Wände kein Hindernis.

Abb. 76: Streifenskink, Trachylepis vittata (April 2008)

Abb. 77: Streifenskink, Trachylepis vittata (April 2008)